Arthur Schnitzler

Arthur Schnitzler

„Intensiv sein ist alles“

Arthur Schnitzler (1862-1931) war ein österreichischer Erzähler und Dramatiker, der als einer der wichtigsten Vertreter der Wiener Moderne gilt – auch wenn er selbst der sogenannten „Belle Époque“ gegenüber eher kritisch eingestellt war. Zugleich zählt Schnitzler zu den großen Diaristen der deutschen Literatur: Von seinem 17. Lebensjahr bis zwei Tage vor seinem Tod führte er pedantisch Tagebuch. Dieses Tagebuch wurde 1981, posthum veröffentlicht. Schnitzler war außerdem ein eifriger Schreiber von Briefen.

Auf den ersten Blick scheint das Leben Arthur Schnitzlers recht überschaubar: Er wurde 1862 in Wien geboren, und ist 1931 in Wien gestorben – dazwischen lag eine Autorenkarriere, die vor dem Ersten Weltkrieg ihren Höhepunkt fand. Sieht man jedoch genauer hin, stellt man fest, dass dieser Lebenslauf keineswegs geradlinig verlief – kaum ein Faktum in Schnitzlers Biographie ist ungebrochen. Schnitzler selbst schrieb einmal in einem Brief „Intensiv sein ist alles.“ – ein Satz, der fast als Motto seines Lebens gelten kann. Zeitgenossen empfanden ihn als sehr nachdenklichen Menschen, mit der Neigung, alles in Frage zu stellen – ohne jedoch dabei zu resignieren. Robert Musil nannte Schnitzler einst einen „ins Leben vertieften Zweifler“.

Die Identität des Schriftstellers entwickelte Schnitzler erst spät: Nach einem ungeliebten Studium mit ständigen Selbstzweifeln und der entmutigenden Konkurrenz zum Vater, einem Facharzt für Kehlkopferkrankungen, wurde er zunächst Mediziner. Er widmete sich erst nach dem frühen Tod des Vaters mehr dem Schreiben. Dem Berufsethos der scharfen Beobachtung und der diagnostischen Präzision blieb er aber auch als Schriftsteller verpflichtet.

Seine schriftstellerische Laufbahn führte zwar zu Ruhm und großen Erfolgen, sie fiel aber nach dem Zusammenbruch der Habsburger Monarchie stetig ab und war immer schon von scharfer, manchmal hämischer Kritik begleitet. Schnitzler vermerkte einmal in seinem Tagebuch „dass wohl noch niemals ein Autor im Laufe seines Schaffens so viel beschimpft wurde“  wie er.

Wie typisch für den Wiener Lebemann im „fin de siécle“ war er in der Jugend ein „homme à femme“, der sich aber augenscheinlich nach einer späten Heirat zum verantwortungsbewussten Familienvater wandelte. Tatsächlich war sein Familien- und Liebesleben jedoch ein einziges Auf- und Ab, geprägt von konfliktbeladenen Affären – denn er unterhielt häufig mehrere Verhältnisse gleichzeitig.

Seine erste Verlobte Mari „Mizi“ Rheinhard starb nach einer Sepsis, nachdem sie ihm ein totes Kind geboren hatte. Die anschließende Ehe mit Olga Gussmann wurde nach zermürbenden Auseinandersetzungen 1921 geschieden. 1928 erschoss sich die gemeinsame, erst achtzehnjährige Tochter Lily.

Schnitzler war in den 1890er Jahren Mitglied des „Jungen Wien“, der neuen literarischen Avantgarde in Österreich und damit Freund und Kollege der wichtigsten zeitgenössischen Autoren: Felix Salten, Hugo von Hoffmannsthal, Richard Beer-Hofmann, mit denen er schließlich sein Leben lang in Kontakt blieb. Trotzdem empfand Schnitzler – vor allem in der Zwischenkriegszeit – eine als erdrückend empfundene Einsamkeit und fühlte sich zunehmend durch ein quälendes Ohrenleiden und eine chronische Depression isoliert. Freundschaftliche Beziehungen erwiesen sich – nicht zuletzt begründet durch Schnitzlers ständigen Selbstzweifel – als brüchig.

Als Jude repräsentierte Schnitzler in der Habsburger Monarchie eine – in der zweiten Generation assimilierte – Wiener Bildungselite. Sein jüdisches Selbstbild konstruierte sich jedoch zwangsweise unter äußerem Druck. Denn eigentlich war er weder besonders gläubig noch zionistisch-patriotisch. Er sah sich jedoch ab den 1890er Jahren verstärkt antisemitischen Angriffen ausgesetzt.

(vgl. Farese, Giuseppe: Arthur Schnitzler: Ein Leben in Wien .1862-1931. Übersetzt von Karin Krieger. 1999)